Von neuen Ufern

 

 


 Bitte

Lass mich der Stern sein, der dir licht erglüht,
goldner Schein, der dir das Herz erhellt.
Möchte der Baum sein, der die Stirn dir kühlt,
Echo auch, dass von den Bergen gellt.

Lass mich der Hort sein, der dir Frieden gibt,
diese Ruh, die sich zum Geiste legt.
Will dir nun Tat sein, die dich innig liebt,
Freude pur, die sich zu Sinnen webt.

Dann kann ich froh und voller Liebe sein,
stilles Glück wird ganz mein Herz erfreun.
So hell und klar ist deine Liebe mein,
 müßte niemals mehr das Taglicht scheun.

© Gilbert








Abendruh

Ein Nebel deckt die Welt und ihre stillen
so blassen Menschen zärtlich sorgsam zu.
Bringt alle Menschen traulich lieb zur Ruh
und stillet sanft den allzeit regen Willen.

Die Sonne geht. Die letzten Strahlen scheinen
zur Erde hin, dann müssen sie vergehn.
Des Windes Säuseln will nun bald verwehn,
höre von fern ein fremdes Kindlein weinen...

...als wollt´s die Nacht mit seinen Tränen krönen,
doch diese legt zur Erd ihr schwarzes Kleid.
Nimmt von den Menschen alles Weh und Leid,
um sie mit sanftem Traume zu verwöhnen.

© Gilbert








© gemalt von Gilbert

Herbst

Wie hab ich es gewünscht, dass mir so bunt der Herbst sein Lied erzählt,
hab tief im Traum der Blätter Pracht im nahen Hain erspät.
Sah sanftig fallen sie zur Erde hin, niemand hat sie gezählt,
ein warmer Teppich, der nie mehr Sommers Freud und Leid verrät.

Der Sang der Vögel klingt durch Stämme hin wohl über Land und Au,
erzählt vom Liebesgück, dass sich zum schönsten Strausse bindet.
Der letzte Sonnenstrahl, er scheint so hell und schenkt uns jenen Tau,
der stetes Labsal gibt, wenn treu sich Herz zum Herzen findet.

Werd leben baldig an jenen trüb ergrauten Wintertagen
und still zurücksehn, wenn zögernd sich der Reif dem Schnee vermält.
Auch niemals vergehen mehr trotz aller Dunkelheit und Klagen,
hab endlich der Liebe Glück und ihren holden Reiz erspät.

© Gilbert









Schattenzeit

Ein letztes Blatt schwebt sacht herab zum Grunde,
verhält dort still und wird zu Erde werden.
Ein Sehnen noch verbleibt zu jener Runde,
die Stämme schmückte, Schatten warf zur Erden.

Der Vogel hüpft als wärs ein erstes Testen
des weiten Fluges hin zum warmen Süden.
Oed wird das Land, der Nebel hält im Westen
mein armes Herz, es will so schnell ermüden.

Der Herbsttag löscht mit einem Aufbegehren
das freie Tanzen, den leichten Frohsinn aus.
Menschlich Wirken ruht, es lobt sich jetzt das Haus,

um wärmend sich der Trübsal zu erwehren,
den Blick so träumend hin zur Fern zu richten,
vom hellen Tag und Sommers Glück zu dichten.

© Gilbert









An Tages Neige

Fortan will ich nun müde ruhen,
der Tag vergeht, es dunkelt schon.
Nun klinget mir aus nächtgen Gründen
ein leichtig schwebend, süsser Ton.

Im Traum nur will ich Klängen lauschen,
sie rühren mir mein stilles Herz.
Wo ist das Wort, das Sinne rührte,
vergessen lässt mich jeden Schmerz.

Jedoch denk ich an künftge Zeiten
und weiss, vorbei ist alles Tun.
Denn jetzt sitz ich an Traumes Strasse,
um endlich friedlich auszuruhn.

Sanft lächelnd steht der Mond am Himmel,
die müden Wolken stehen schwer.
Des Tages Laute sind erloschen,
ich fühle keine Zeiten mehr.

© Gilbert








Trost

Glühender Nachhall tröstender Worte
brennt mir im Herzen, leuchtet so hell;
doch in Nächten, am dunkelnden Orte,
verlässt er mich oft, ist nicht zur Stell.

Leise Töne, von Sehnsucht getrieben
klingen dann nächtlich durch meinen Traum.
Wecken erneut die Freude am Lieben,
breiten sich aus zum ewigen Raum.

Wenn endich der Tag das Dunkel durchbricht
schweigen sie still, verschüchtert und klein.
Erspürst du denn niemals im Morgenlicht,
wie Trost erweckt dein schlummerndes Sein?

© Gilbert










Abschied für immer

Abends denk ich an dich und richte Augen zum Himmel,
eines treibt mich doch nur: Windhauch des ewigen Seins.
Stehe in Sehnsucht allein, der Atem zerfliegt in Lüften,
wo die Wolken noch ziehn. Lösen sich langsam nur auf.
Immer warst du mir Glück, stets muss an dich ich nur denken,
misse dich immerdar, fühl deinen liebenden Blick.
Doch bist du ferne von mir und Freude ist mir getrübet,
still geh ich den Weg, der endlich führt mich zu dir.

Leise lässt du mich los, zu weilen fortan in Sphären,
die ich nimmer kann sehn, sind mir für ewig verwehrt.
Träumend erschau ich dich dort, du weilst im Kreise der Engel,
hängst am Munde des Herrn, lauschend dem göttlichen Wort.
So wird Abschied mir leicht, denn weiss dich glücklich dort droben,
schaue nächtlich zu dir, wähne dich glücklich im Licht.
Seliges bleibt mir nun treu, will mich jetzt nie mehr verlassen,
Herzen fliegen dir zu, Mutter im ewigen Glück.

 © Gilbert






Maria

Du gingst den Weg so still, schon schwer, ganz ohne
Hast, den Blick geneigt, suchend Trost und Rat.
Als jene reife, ältere Matrone,
dir milde lächelnd, leis entgegen trat.

Da brannte lichterloh in dir Vertrauen,
erschienst mir plötzlich wohlig ausgeruht.
In ihren Armen hielten sich die Frauen,
bis dann Maria sprach: mir ist zumut,

als wär die Lieb in mir für jetzt und immer,
die nur ein Gott konnt schenken erdenweit.
Er suchte aus mich armes Frauenzimmer,
füllte mich an mit seiner fernsten Zeit.

 Was tat er nur, er sprach so ernst Befehle
um meiner selbst, rief sie von Stern zu Stern.

Verehr und preise nun mit meiner Seele
so froh ich kann, den hohen, einzgen Herrn.

© Gilbert






Entschluss

Ein kalter Wind weht hin durch Eiseskälte,
lässt mir den Atem vor dem Mund erstarren.
Blick zu den Krähen, die auf Dächern harren,
und fühl im Stillen, dass mir nichts mehr gelte

des Frühlings Lieder, die mich hell umklangen,
immergrüne Flur, die mit Farben freute.
Ein liebend Glück, das mich noch nie gereute
und süße Düfte, die in den Sinn mir drangen.

Von kalten Gletschern fallen Wasser nieder
und reissen mit sich herunter Stein und Baum.
Schieben weit zum See hinaus der Berge Saum.

Will nichts mehr sehen, schliesse meine Lider,
geh hin zur Ferne, weit fort ins andre Land.
Freue mich aufs Meer und warmen, weissen Strand.

© Gilbert








Erster Schnee

Fühle des Winters Nähe schon,
denn sanft küsst mich ein Flockenpaar.
Und nach dem fünften Glockenton
gleichen die Flöckchen weissem Haar.

Wie sie mir kühlen dann das Haupt,
möcht ich mich im Gebirge wähnen.
Da hat die Sonn sie schon geraubt,
endet so mein stilles Sehnen?

Zu schnell verwehet manches Glück,
lebt viel zu kurz von Mal zu Mal.
Gibt dir zum Leben nur ein Stück
von Liebesglück und Sonnenstrahl.

Doch werfe von dir alle Zähren
wie auch die stille Winterruh.
Es endet bald das kalte Währen
und dann, im Frühling, blühst auch du.

© Gilbert



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