Verträumtes




 

Nicht, wo du die Bäume kennst, wo die Bäume dich kennen, ist deine Heimat

Sibirische Weisheit






Feststellung (Alexandriner)

Der Tag entsteht von selbst, ins Helle flieht die Nacht,
die Blumen nicken schon, der Vögel Sang erwacht.
Aus Träumen sanft geweckt, der Schlafende sich hebt,
die Waschung macht ihn wach, der Kaffe ihn belebt.
Die S- Bahn quietscht heran, in diese laute Zeit,
wo Menschen stehen still und warten weit und breit.

Vor einer langen Zeit war das Gedichtes Klang,
ein feierlich Gespinst, ein wunderbar Gesang.
Wer so noch heute spricht, gerät ganz leicht in Not,
es heißt, die Poesie, sie sei doch alt und tot.
Das Gegenteil zu weisen, tret ich nun heute an,
was früher einmal galt, auch heut ein Dichter kann.

© Gilbert 2009








Auch ein Trost

Um das vergangne Glück mußt du dich nicht sorgen,
blind für die Zukunft macht dich Vergangenheit;
denk an gestern nicht, schau freudig in den Morgen:
ewig lebt dein Geist und schnell vergeht die Zeit.

Schwerer wird der Kopf, das Knie versagt im Gehen.
Fühlst, daß diesem Bau nun das Vergehen droht
von des Alltags Last- Tor, lass ihn doch verwehen:
ewig lebt dein Geist und rasch vergeht die Not.

Viel geschieht, das Schicksal kehrt mit großem Besen,
der Nam´ erlischt, auch Ehr´, wenn sie einst gedieh.
Doch die Liebe nicht, sofern sie tief gewesen:
ewig lebt dein Geist und nie vergißt er sie.

© Gilbert 2009








Verliebter Traum.

Was hilfts, dass meine Lust stets in Gedanken spielet
und deine weiße Brust im Traume sich hebt und fühlet?
Die Nacht gibt unserm Wahn viel tausend süße Stunden,
und wenn der Tag bricht an, ist alles schon verschwunden.


Ein ungemeine Freud durchdringet Mark und Glieder;
Bin ich zur Ruh bereit, so kommst du, Schönste, wieder
Und bringst der Liebe Trost In Schalen von Jasminen.
Greif ich dann nach der Kost, ist mir ein Gott erschienen.


Es ist nur Schattenspiel, von Traum und Spinnereien,
und wenn die Liebe will kann ich mich Lüsten weihen.
So muss das Liebespaar den Traum als Traum verlachen
und endlich wahr, was man geträumt hat, machen.

© Gilbert 2009








Erfahrung (Akrostichonisches Sonett)

O tön so schön mir, wie ein sanftes Winseln,
Regier das Ohr ganz zart, lass Sinne schweben.
Charmant kommts rüber, wie ein klingend Weben,
Hernach will Schweiss mir vom Gesichte rinnseln.

Erleben ist es, aus dem Genie geborn,
So wie es mir erklingt, als voll der Klang ertönt.
Tatsächlich neu mir, bin ich´s nicht mehr gewöhnt,
Ein herrlich Tönen, das ich mir auserkorn.

Ruhmreich sei der, der dieses Werk ersonnen.
Triumpf der Stunde, da es kam zur Erden,
O welcher Klang, mir ist das Blut geronnen.

Es kann das Tun mir zum Ereignis werden.
Nun habe ich Erfahrung doch gewonnen:
Es gibt nichts Schöneres allhier auf Erden.

© Gilbert 2009








Ein Eindruck

Vergehend eines fernen Glöckchens Klänge,
der Schlafende wird wach in dunklen Zimmern.
Die Stirn an Sternen, die in Scheiben flimmern,
vom Walde rufen Tier und Vogelsänge.

Ein Kind, ein junges Mädchen im Gedränge,
auch Hupen tönen, graue Kleider schimmern,
als Früchte schwer mit mattem Glanz verkümmern.
Schwarz schwebt der Wolken trauriges Gepränge.

Gesichter zeigen nun den Frust vom Leben,
ein Platz verkümmert menschenleer im Regen,
im gelben Kleide schaukelt sich der Ginster.

Des Vogelfluges stille Zeichen weben
das Hoffende, das nächtlich war zugegen.
Die Bäume aber blicken nur noch finster.
© Gilbert 2009









Abenddämmerung

Im bunten Laube schimmern die Gestirne,
nur wenn sie stürzen, fällt der Himmel ein,
dann wischt der Mond sich Perlen von der Stirne
und trinkt im Dämmern einen süßen Wein.

Über die Felder schweben noch Dämonen.
Die Geister leben, reiten froh den Wind,
wenn andre zieh´n aus Tümpeln goldne Kronen,
die seltsam schwer vom Schleim der Schnecken sind.

Die Schlange zischt. Aus ihren Kinderblicken
tropft ins Grün ein funkelnder Saphir,
verteilt im Moos mit einem feinen Ticken
ein rotes Haar vom Haupte des Magier.

Die Magd ruht bei den Tieren. Läßt die Hände
dem jungen Wolfe, der sie lechzend leckt
und lächelt fein, als ihre weiße Lende,
der Geisterfürst mit dunklem Mantel deckt.

Gilbert 2009








Frühling und Herbst (Stanze)

Der Kindheit Pracht, des Hoffens wirres Gelten
geht wie ein Strom durch unser grünes Land
und zieht uns all in bunte Zauberwelten.-
Wem Sehnsucht dann in tiefer Brust entbrannt,
der zieht mit Bangen wohl zu fremden Zelten,
in ferne Heimat, die er kaum gekannt;
Und was so leicht sich webt zur bunten Blume,
bildet den Kelch zum hehrsten Heiligtume.

© Gilbert 2009








Dichterworte

Durchs Himmelszelt nun rote Wolken ziehen,
beleuchtet von der Sonne Abendstrahlen.
Bald sieht man sie in lichtem Feuer glühen,
und daß sie sich in stillen Bildern malen:
Wie oft auch Helden, hehre Taten blühen,
ersteigend aus der Welten goldne Schalen.
Doch wie Natur sie noch am schönsten schmücken,
fliehn sie wie Träume und ein kurz Entzücken.

© Gilbert 2009


Datenschutzerklärung
Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!