Rundblick

 

 

 

Wer überall sein will, ist nirgends zu hause

Seneca








Terzinen über die Kälte

Gesichter glüten unter kalten Flocken,
sie kitzelten die Wang und meine Nase
und meine Füße froren trotz der Socken.

Die Blume war erstarrt in ihrer Vase,
der Stengel steckte tief im körngen Eise.
Das änderte auch nicht der stille Hase,

der ganz entzückt auf seine stille Weise,
die Pflanze tat bestaunen an dem Morgen,
da alle Welten gingen auf die Reise.

Sie wandten sich weit weg von jenen Sorgen,
die uns an jedem Tage übermannten.
Nicht Lust, noch Freude, konnten sie entsorgen.

Sie flohen fort von diesen unbekannten,
so schaurig Frösteln machenden Gezeiten,
die kalte Schauer in die Seele brannten.

Urheberrecht Gilbert 2010










Kantenhocker

Er sitzt wie stets im stillen Grübeln,
schaut in die tiefverschneite Welt.
Kann man das Sinnen ihm verübeln?
Ihm fehlt die Sonn am Himmelszelt.

Sieht Alles wie ein Kantenhocker,
gemächlich, von der sichren Wart.
Der kalte Wind läßt ihn ganz locker,
er ist von einer andren Art.

Nimmt wahr die Spuren auf den Wegen,
die zur Ferne sich verjüngen.
Kein Strauch, kein Zweig will sich noch regen
und allmählich mag ihm düngen...

daß seinem letzten Seelenwinkel,
noch ein Erinnern innewohnt.
Kann ihn befreien von dem Dünkel,
der lähmend ihm im Geiste thront.

Urheberrecht Gilbert 2010









Vernunft und Gefühl

O reine Tugend, was bringts mir, dich zu lieben,
in deinem Lichte, mich ohne Müd zu wiegen,
wenn doch alle Ehr, will allzu leicht vergehen,
von allen Enden, mir neue Laster wehen?

Was soll ich nach den Sternen, den reinen, greifen,
einen mich mit Träumen, die mich nachts umschweifen.
Das Weite, Überirdsche, bleibt mir ewig fern,
im Einklang mit den Welten leben, würd ich gern.

Nur Vernunft, scheint mir, kann alles Wolln vereinen,
wäre dann mit mir und allem Sein im Reinen.
Doch wo bleibt das Gefühl in diesem weiten Raum?
Ich werd es nimmer zeigen, halt es fest im Zaum.

Urheberrecht Gilbert 2010









Das kleine Glück (Ghasel)

Hab im Kleinen großes Glück gefunden,
hat Trost und Glück an mich gebunden.
Endlich frei, konnten sich Herzen finden,
war´n dann für lange Zeit verbunden.
Gefühl, das unser Leben leichter macht,
so manche Kante sich läßt runden.
Es bringt im Lauf der Zeit Zufriedenheit,
erreich ich´s nicht, lass ich es stunden.

Urheberrecht Gilbert









Eintritt verboten

Tür, sie ist zumeist verschlossen,
dahinter liegt das Paradies.
Noch von niemand ward genossen,
was sie verbarg und auch verhieß.

Welt, sie sehnt sich nach dem Frieden,
möcht erlöst sein von dem Leiden.
Krieg und Kämpfe gibts hernieden,
niemand mag sich daran weiden.

Fern von hier ein anderer Raum,
aus dem Jetzt nicht zu erreichen.
Bleibt doch für immer uns ein Traum,
denn das Böse will nicht weichen.

Urheberrecht Gilbert 2010









Enttäuschng (Rondeau)

Die gute Zeit ist längst vergangen,
sie brachte mir manch Freud, viel Bangen.
Denk still daran, was ich verlor,
am Rand des Gartens, vor dem Tor,
Der kalte Wind bläst rot die Wangen.
Glaubte so fest, ich könnt es fangen,
das Glück, es sollt zu mir gelangen.
Doch nie geschah, was ich erkor.
Die gute Zeit...
Sie flieht vor mir und will nicht umfangen,
dieses Geschick, das zwickt wie Zangen.
Was ich seit Kindheit an erkor,
es ist nun fort, krepiert im Rohr.
Erinnre mich, wie Vöglein sangen.
Die gute Zeit...

Urheberrecht Gilbert 2010










Erinnerung

Denkst du noch an das schöne Bildnis dessen,
der dunkelrote Rosen kühn gepflückt.
Der über Kummer hat den Tag vergessen,
dem immer seltner nur ein Wurf geglückt?

Der nach dem Teiche sich zur Ruhe wandte,
trieb ihn das Vogelrufen erdenweit?
Saß träumend dann an jenes Wassers Kante.
still lauschend in die tiefe Heimlichkeit.

Und von der Fläche moosbegrünter Steine
verläßt ein Schwan den kühlen Wasserfall.
Er legte in des Kindes Hand, die kleine,
so schmeichelnd liebevoll den schlanken Hals.

Urherrecht Gilbert 2010








Bewegte Ordnung


Vom wilden Felsgeklüft ruft mich des Adlers Schrei,
dringt durch die neue Frühlingswachsamkeit.
Der Liebe tiefes Wirken steht mir herzlich bei,
die ganze Welt scheint weit, unsagbar weit.

Ich liege frühjahrsmüd in immergrüner Gruft,
sanft träumend in der Wolken Silberschaum.
Das Azurzelt ist über mir, mit seinem Duft
von Rosmarin, Salbei am Wegessaum.

In Blättern krabbeln Käfer. Seh trunkenen Tanz
von Faltern, irrer Bilck. Aus Lüften dringt
der Grillen Zirpen her, wenn goldner Sonnenglanz
mir Kränze um die heiße Stirne schlingt.

Urheberrecht Gilbert 2010




 

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