Melancholie








Heidegang (Terzine)

auf stiller Heide lag, wie ichs erschaute,
der Findling, der zu andren Steinen paßte;
hab Stein für Stein befühlt, eh ich ergraute.


So lag nun dicht an dicht, was ich mal haßte
und bunte Blumen, die im Wind sich wiegten,
mit Duft, so süßlich, sie wollten, daß ich raste.


Doch Erika, die blauen, sie obsiegten.
Sah niemand mehr und müd war´n meine Glieder,
blickt´ Blätter nur, die sich im Winde wiegten.


Dann schweigen endlich auch der Vögel Lieder,
ganz langsam geht der lichte Tag zur Neige:
es dunkelt nun und Tropfen fallen nieder..


© Gilbert 2009








Abendfrieden (Sonett)

Der Tag vergeht, gebiert die Abendstunde,
die rotgefärrbt die letzten Strahlen streut.
So still verfällt, was wärmend mich erfreut,
verlischt rubin, wie eine blutend Wunde.

Die zarten Elfchen schweben in die Runde
der Lichtung, so matt vom Mond beschienen.
Woll´n im Tanze goldnen Sternen dienen
und geben froh vom nächt´gen Leben Kunde.

Die Abendruhe schweigt Auch der Ruf der Tiere
erliegt der dunklen Nacht. Ich fühl im Wald
des Windes Hauch, der mich so leicht umwallt.

Bin nun allein mit den schwarzen Stämmen,
die nun träumen von des Berges Kämmen.
Hör den leisen Bruch von Zweigen im Geviere.

© Gilbert 2009








Frage und Antwort

Ich frag was soll ich tun, auf alles Böse fluchen?
Was hat der Fisch davon, wenn er in Erde beisst?
Soll ich nur meinen Traum, den langersehnten suchen,
auf die Zeiten warten, da Zukunft Wahrheit heisst?

Das Dichten ist mir Glück, das werd ich nie verhängen,
das mir die Dichteskunst vor meinem Geist entflieh.
Wenn mich Regenschauer, Sturm, Blitz und Not bedrängen,
steh immerfort zum Reim, so lang ich Atem zieh.

© Gilbert 2009








Wiedersehen(Stanze)

Der Frühling kam, verscheuchte alle Kälte,
jenes Frieren, das mich so zittern liess.
Dass ich, erwärmt, vertrieb, was mich vergällte,
den Wind erfühlte, der mich sanft umbliess.
Ich freute mich, wenn mich mein Hund anbellte,
des hellen Lautes, der mir Freud verhiess.
Die frische Luft vertrieb mir alle Sorgen
und gab mir Lust auf jeden neuen Morgen.

Die Sonne schien, ich wandte meine Schritte
zum nahen Park, der mich so bunt empfing,
dass ich, entzückt, zum Klange meiner Tritte
den Weg entlang in tiefem Frieden ging.
Erblickte dann die moosbewachsne Hütte,
das alte Schild, dass an der Türe hing;
Ich las es laut und fühlte dann Entzücken,
Liebchen trat heraus, um mich zu erquicken.

© Gilbert 2009








Der Kuss

Der Kuss, er reicht uns gleissende Juwelen,
verschenket liebend süsse Himmelsfrüchte.
Dieweil die Freude füllet unsre Seele,
der rote Mund uns stillet alle Süchte.

Er teilt der Liebe unerhörte Dichte,
mit Sinnen, die sich glühendheiss vermählen.
Lässt glühn die Lieb im allerhellsten Lichte,
ich könnte mir kein schönres Glück erwählen.

© Gilbert 2009









Weg zum Ziel (Huitain, Unterform der Stanze)

Was mich bewegt´, das ist nicht mehr,
ist mir so fern, so endlos weit.
Dürch Türen schwand von ungefähr,
der Übermut, die Kinderzeit.
Als Herrin kamst du, Jugend, her,
dir diente ich doch ganz allein.
Wenn ich noch mal auf Erden wär,
würd wieder ich zu Diensten sein.

Denn wie ein Gott wirst du verehrt,
Glück der süssen Jugendjahre.
Um so mehr hat sich vermehrt,
Angst vorm Altern, vor der Bahre.
Mit dem Reifen wächst das Wissen,
älter werden ist ein Segen.
Kannst mit ruhigem Gewissen
dich zum Lebensziel bewegen.

© Gilbert 2009









An einem Maientag,

Da gehn sie stille, Arm in Arm,
so liebend schön und fürderlich.
In ihren Herzen wird es warm,
beschwörte Lieb für ewiglich.
Hoffnung ins Gesicht geschrieben,
Die Treu soll gelten immerdar.
Weißt du noch, wie wirs beschrieben,
es war an jenem Maientag.

Und wieder hüllet die Natur,
so hell die weite Erde ein.
Doch man sieht den einen nur,
ist ganz verlassen und allein.
Denn unter mächtgem Baumgeweih,
liegt ein stilles Grab verborgen.
es war in jenem lichten Mai,
da alles blühte ohne Sorgen.

© Gilbert 2009








Mittag

Am Rand des Waldes steht die Buche,
am Himmel schwebt ein Wölkchen nur.
Geh hin und her, weil ich doch suche,
die stille Feier der Natur.

Der Schein der Sonne liegt auf Wegen,
die Blätter ruhn, kein Vöglein singt.
Ein einz´ger Windhauch mag sich regen,
der meinem Haupte Kühlung bringt.

Wag kaum zu atmen in der Stille,
an diesem warmen Frühlingstag.
Beim nahen Teiche zirpt die Grille
ein Liedchen, wie nur ich es mag.

© Gilbert 2009



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