Ersehntes

 

 

 



Wolkenschläfer

Menschen in Häusern, sie trafen
es wohlig, sind froh und frei;
mich quält die Kälte dabei,
da ich in Wolken geschlafen.

Es geht nicht, daß ich erringe,
des Himmels Mitte und End;
des Nachts ein Blick, der heiß brennt,
lähmt mir, ich fühl es, die Schwinge.

Ich, vom Drang nach Schönem versengt,
möcht mein Haupt nicht erheben;
will mich dem Dunkel geben,
das unten als Grab mich empfängt.

Urheberrecht Gilbert 2012








An die Fee

Du bist, o Fee, mir treu geblieben,
seit Jahren meiner Kinderzeit.
Nun frag ich mich, was dich vertrieben,
du reife frohe Zärtlichkeit.

Du sorgtest dich. Mit zarten Händen
trugst du mich über Unbill fort.
Und selbst auch aus Gefängniswänden
befreite mich dein Zauberwort.

Du gabst mir immer Trost vor allen,
zieh neugefunden wieder ein
und lass dein Lieben wieder fallen
auf meinen Weg wie Sonnenschein.

Urheberrecht Gilbert







 Sanfte Nacht

 Der weiße Mond küsst zart die Zweige,
ein Flüstern ist im Laub, als neige,
als schweige sich der Wald zur Ruh,
so warte nur, bald schläfst auch du.
 
Der Weiher ruht, die Weide schimmert,
leichtig auf ihm ihr Schatten flimmert.
Auch der Wind weint in den Bäumen,
während wir Geschichten träumen.
 
Die Sterne leuchten: Beruhigung,
feucht und blau liegt auch die Niederung.
Ein Schleier zieht zum Himmels Saum,
zur Ferne weit, o schöner Traum.
 
Urheberrecht Gilbert 2012






Blinde

Für mich sind sie das einzig wahre Bild,
wie grotesk geführte Marionetten.
Als wenn sie niemals was zu fürchten hätten,
starrn sie umher, von Finsternis umhüllt.

Augen- der Seele Spiegel ist zerstört-
blicken zum Himmel,, als sei dort aufgezeigt,
was fern ist. Nie wird zur Erde es geneigt
ihr müd gewordnes Haupt, so traumbeschwert.

Gehn durch eine Nacht, die keine Grenzen hat.
Sind dem Schweigen fast verschwistert- O du Stadt!
Wie es in dir tobt; wie deine Sünden

und so ganz von diesem Eindruck übertrumpft,
treib auch ich dahin, nur tiefer abgestumpft.
Was suchen sie am Himmel , diese Blinden?

Urheberrecht Gilbert 2012









Ein Ganzes

In dem Umarmen fielen wir zusammen,
ein jedes Wort schlug Feuer und auch Licht;
doch unzertrennlich sahen uns die Flammen,
wir brannten, aber nein, wir schmolzen nicht.

Zwei Hälften mag man zueinanderpassen,
ich blieb ein Einzges und auch sie war ganz;
sie wollt so gern ihr tiefstes Wesen lassen,
doch viel zu fest verbunden war der Kranz.

Wir standen beide, suchten uns zu einen,
dem Andren Heim zu geben, ganz in sich;
Es war umsonst, trotz Schreien,Schimpfen, Weinen,
sie blieb stets Frau und ich blieb immer ich.

Da wurd ich hart, im täglich Spiel der Winde.
Im Wetterbraus, von Sonne nie erblickt,
umgab das stärkre Plänzchen sich mit Rinde,
das schwächre beugte sich und ward geknickt.

Urheberrecht Gilbert







Die Allee

Ein Tor mit einem großen Bogen,
nebst Bergen, Wäldern, Feldern, Aun.
Im Weit des Parks ein dunkles Wogen,
das Haus, so herrlich anzuschaun.

Da wolln die Linden, sich umwindend
im Abenddämmer der Allee,
ein Wipfel nach dem andren schwindend,
ihr Sommerjahresfest begehn.

Gekommen ist die Zeit zum Blühen.
Die Bäume in der Gartengruft
zugleich mit ihrem Schatten sprühen
den spürbar schönen Blütenduft.

In einem Baum, der weit sich dehnend
bis halb hinab das Heim verdeckt,
entbrennen nun, vom Wachse tränend,
Blüten, vom Regen angesteckt.

Urheberrecht Gilbert 2012








Verwirrt

Wir sind Schemen nur, die tanzen,
werfen wir denn Schatten hier?
Reich an Lug und Trug im Ganzen
ist der Tag und nicht nur er.

Weiß ja nicht, was da geübt wird,
weiß auch nicht, was mit mir ist.
Wessen Maskenblick getrübt wird,
wenn die Nacht den Tag auffrisst.

Blick in deiner Augen Schimmer,
was mir glänzt, ist es nur Traum?
Mittags selbst im Ruheraum
schweben dunkle Wolken immer.

Lass mich horchen ohne Fehle,
will verstehn dein dunkles Herz.
Gib mir, Maske, meine Seele,
schick zurück den lichten Schmerz.

Urheberrecht Gilbert 2012


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