Einsamkeit







Heimwärts

In Fernen seh ich Welten stehn,
die in der Heimat nicht erblühn.
Kann fröhliche Gesichter sehn,
die mir zu hause nicht erglühn.

Bis auf das eine, das ich lieb,
das jetzt entfernt so länderweit.
Drum werd ich schnelle wie ein Dieb
zurückkehrn in die jetz´ge Zeit..

Darf jetzt nicht den Zug verpassen,
will noch die letzte Reise tun.
Mich in der Heimat niederlassen,
um endlich glücklich auszuruhn.

Urheberrecht Gilbert 2009






Warnung

Zu sehr beeinflußt ihr das Erdenleben,
Gestirne, die durch dunkle Nächte führen.
Stets wollt ihr sie in frecher Weis verführen
und bringt mit eurem Hochmut sie zum Beben.

Doch ohne euch bewegt sich die Geschichte,
von sich aus werden Glocken Warnung schlagen.
Natur so ganz von selbst, ohn viel zu fragen,
weist tobend auf das Kommen der Gerichte.

Welch stilles Staunen, ewigwährend Schweigen,
wenn leise wispernd sich die Blätter neigen
und Berg und Tal für alle Zeit versanken.

Doch durch das Grollen aus den Felsenritzen
ein Gott uns warnt mit lichterfüllten Blitzen,
denn seine sind nicht unsere Gedanken.

Urheberrecht Gilbert 2009








Gleichheit

Dem Firmamente, weit und blühend,
dem guten Monde, matt und bleich,
jetzt nächtens tausend Stern´ versprühend:
das Ich, mein Ich ist ihnen gleich.

Den Himmeln, rein und klar und blauend,
den Wolken, jetzt so regenreich,
nun bittre Tränen niedertauend,
das Ich, mein Ich ist beiden gleich.

Der lieben Vöglein frohe Lieder,
der Rose Stengel, dornenreich,
den wechselnd Jahreszeiten wieder,
das Herz, mein Herz ist allem gleich.

Doch einem ähnelts nicht auf Erden,
nie will in unsrem weiten Reich
ein heissersehnter Frieden werden,
drum ist es nie einander gleich.

Urheberrecht Gilbert 2009








Ein Ganzes

In dem Umarmen fielen wir zusammen,
ein jedes Wort schlug Feuer und auch Licht;
doch unzertrennlich sahen uns die Flammen,
wir brannten, aber nein, wir schmolzen nicht.

Zwei Hälften mag man zueinanderpassen,
ich blieb ein Einzges und auch sie war ganz;
sie wollt so gern ihr tiefstes Wesen lassen,
doch viel zu fest verbunden war der Kranz.

Wir standen beide, suchten uns zu einen,
dem Andren Heim zu geben, ganz in sich;
Es war umsonst, trotz Schreien,Schimpfen, Weinen,
sie blieb stets Frau und ich blieb immer ich.

Da wurd ich hart, im täglich Spiel der Winde.
Im Wetterbraus, von Sonne nie erblickt,

umgab das stärkre Plänzchen sich mit Rinde,
das schwächre beugte sich und ward geknickt.

Urheberrecht Gilbert 2009








Dichterworte

Durchs Himmelszelt nun rote Wolken ziehen,
beleuchtet von der Sonne Abendstrahlen.
Bald sieht man sie in lichtem Feuer glühen,
und daß sie sich in stillen Bildern malen:
Wie oft auch Helden, hehre Taten blühen,
ersteigend aus der Welten goldne Schalen.
Doch wie Natur sie noch am schönsten schmücken,
fliehn sie wie Träume und ein kurz Entzücken.

Urheberrecht Gilbert








Verwandlung (Terzinen)

O du Wehen, Hauch von Herbstes Winden,
das so verborgen bunte Blätter gleich
Geistern jagt, bis sie den Meister finden,

gelb und gräulich, so dunkelrot und weich,
vom Fall bewegte Laubesschwärme! Du
karrst sie dahin ins winterliche Reich,

wie schwere Saat, sie deckt die Erde zu
wie manches Grab den Leib, bis die Natur,
die Ruhende, aus tiefen Traumes Ruh

lautschallend ruft die Schwester von Azur:
Zarte Knospen, Schäfchenwolkenchöre,
treibt sie und hüllt in duftge Pracht die Flur.

Ewger Geist, bewahre und zerstöre
durch die Welten wehend: hör, o höre!

Urheberrecht Gilbert 200








Am See

Wenn nun der lichte Tag versteckt sich
und ist der Sonne Licht gelähmt,
hüllet der See in dunkles Tuch sich,
das weißer Hermelin verbrämt.

Er birgt in ständig neuen Falten
nun sein Gewand, fast wie im Traum.
Fünf alte schwarze Barken halten
so still und schweigend seinen Saum.

Urheberrecht Gilbert 2009















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